Das Europäische Zentrum für Terrorismusbekämpfung und Nachrichtdienst, Deutschland und Niederlande –ECCI
Auslandsbezogener Extremismus/Terrorismus
verfassungsschutz ـ Personenpotenzial: Das Personenpotenzial im auslandsbezogenen Extremismus/Terrorismus ist im Jahr 2025 um rund 4 % auf insgesamt 33.850 Personen (2024: 32.500) angestiegen. Die zahlenmäßig bedeutsamste Organisation in Deutschland bleibt weiterhin die „Arbeiterpartei Kurdistans“ (PKK) mit 15.000 Anhängern.
Fast 22.000 Personen im auslandsbezogenen Extremismus/Terrorismus sind der Definition2 nach als gewaltorientiert einzuordnen – so viele wie in keinem anderen Phänomenbereich. Mit Blick auf die Gefährdungslage ist festzuhalten, dass die Personen im auslandsbezogenen Extremismus/Terrorismus hierzulande vergleichsweise selten körperliche Gewalt anwenden. Kommt dies dennoch vor, handelt es sich zumeist um konfrontative Gewalt gegen die Polizei oder den politischen Gegner im Rahmen von Demonstrationen. Ein Großteil der Personen unterstützt auf unterschiedliche Weise Organisationen, die in ihren Heimatländern mit tödlicher Gewalt und Terror agieren oder diese propagieren.
2 Als „gewaltorientiert“ werden Personen definiert, die als gewalttätig, gewaltbereit, gewaltunterstützend oder gewaltbefürwortend eingeordnet werden können.
Auslandsbezogene extremistische Straf- und Gewalttaten
Nachdem die Zahl der Straf- und Gewalttaten mit einem auslandsbezogenen extremistischen Hintergrund in den letzten Jahren – auch durch die anhaltende Eskalation im Nahostkonflikt – kontinuierlich angestiegen war, schwächte sich diese Entwicklung im Jahr 2025 etwas ab. Die Zahl bewegte sich in etwa auf Vorjahresniveau. In der Kategorie „Politisch motivierte Kriminalität – ausländische Ideologie“ wurden 4.482 Delikte mit Extremismusbezug gezählt, was einen Rückgang um 1,1 % bedeutet (2024: 4.534). Die Zahl der Gewalttaten sank um 13,8 % auf 523 Delikte (2024: 607).
Vor allem Reaktionen auf die anhaltende Eskalation in Nahost beinhalteten immer wieder strafbares Handeln in Form von Gewalt, Ausschreitungen, verbotenen Parolen und Symbolen oder dem Billigen der Terrorangriffe der HAMAS auf Israel, häufig im Rahmen von Versammlungen oder abseits davon vor allem in Form von Sachbeschädigungen. So war erneut bei mehr als zwei Dritteln der 2025 im auslandsbezogenen Extremismus/Terrorismus verübten Straftaten – das bedeutet mehr als 3.200 Delikte (2024: mehr als 3.000, +6,6 %) – eine israelfeindliche beziehungsweise propalästinensische Tatmotivation zu verzeichnen. Ein Anstieg war auch bei den Delikten mit antisemitischem Bezug festzustellen, hier wurden 2.132 Delikte (2024: 1.776, +20 %) registriert.
Vielschichtiger Phänomenbereich
Der nicht islamistische, auslandsbezogene Extremismus/Terrorismus ist ein Sammelbegriff für sicherheitsgefährdende und extremistische Bestrebungen von Ausländern, ausländischen Organisationen und Strukturen, der kein einheitliches ideologisches Phänomen darstellt. In diesem äußerst heterogenen Spektrum finden sich Organisationen mit Ideologieelementen aus dem Rechts- und Linksextremismus sowie Organisationen, die separatistische Bestrebungen in ihren Heimatländern verfolgen. Insoweit handelt es sich nicht um ein einheitliches, tendenziell bündnisfähiges Spektrum, sondern um unterschiedliche Interessengruppen, die nur fall- und anlassbezogen untereinander oder mit deutschen extremistischen Gruppierungen kooperieren.
Die Organisationen im auslandsbezogenen Extremismus/Terrorismus sind primär aus politischen, sozialen oder ethnischen Konflikten in den jeweiligen Heimatländern hervorgegangen. Hauptziel der in Deutschland vertretenen Organisationen ist die Unterstützung der jeweiligen zentralen Organisationseinheiten in den Herkunftsländern. Überwiegend bestimmen die Situation in den jeweiligen Bezugsregionen sowie die Vorgaben der dortigen zentralen Organisationseinheiten Politik, Strategie und Aktionen der hiesigen Strukturen. In ihren Heimatländern wollen diese Organisationen meist drastische Veränderungen der politischen Verhältnisse herbeiführen, dort oftmals auch durch den Einsatz von Gewalt und Terror. Damit verstoßen die von Deutschland aus agierenden Strukturen extremistischer Organisationen mit Auslandsbezug gegen den Gedanken der Völkerverständigung.
Aktivitäten der PKK
Die mitgliederstärkste Organisation im auslandsbezogenen Extremismus/Terrorismus in Deutschland ist weiterhin die PKK. Im Jahr 2025 setzte sie trotz des eingeleiteten Friedensprozesses in der Türkei ihre Aktivitäten in Deutschland in gewohnter Art und Weise fort. So wurden im Jahr 2025 erneut zahlreiche Veranstaltungen mit teils mehreren Tausend Teilnehmenden durchgeführt. Dabei hat sich abermals gezeigt, dass die PKK nicht nur willens, sondern auch in der Lage ist, ihre Anhängerschaft umfangreich zu mobilisieren und darüber hinaus weitere Personen für ihre Anliegen anzusprechen.
PKK-Anhänger feiern das kurdische Neujahrsfest Newroz in Frankfurt am Main am 29.03.2025.
PKK-Anhänger feiern das kurdische Neujahrsfest Newroz in Frankfurt am Main am 29.03.2025.
Der Verfolgungsdruck deutscher Sicherheitsbehörden auf PKK-Funktionäre in Deutschland bleibt hoch. Wie in den Vorjahren wurden auch 2025 Führungsfunktionäre der PKK zu mehrjährigen Haftstrafen wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung verurteilt. Weitere Strafverfahren gegen Führungsfunktionäre sind anhängig.
In Europa bemüht sich die PKK um ein weitgehend gewaltfreies Erscheinungsbild, wohingegen sie in der Türkei nach wie vor terroristische Anschläge verübt, zuletzt im Oktober 2024 in Ankara. Auch wenn in Europa vordergründig friedliche Veranstaltungen und Aktivitäten der PKK stattfinden, bleibt Gewalt auch hier eine strategische Option der PKK. Die Organisation ist in der Lage, zumindest punktuell, auch in Deutschland Gewalt einzusetzen, sofern ihr dies geboten scheint.
Die PKK indoktriniert und rekrutiert in Deutschland zumeist jugendliche Anhängerinnen und Anhänger für den bewaffneten Kampf in den kurdischen Siedlungsgebieten. Neben persönlicher Ansprache durch PKK-Kader oder ihre Jugendorganisation wird hierfür auch der eigene Medienapparat genutzt. Trotz des eingeleiteten Friedensprozesses halten die Rekrutierungsbemühungen bislang unverändert an.
Die wesentliche Einnahmequelle der PKK in Deutschland ist die äußerst konspirativ verlaufende „Jahresspendenkampagne“ („kampanya“). Mit geschätzt zwischen 13 und 14 Millionen Euro (2024: zwischen 14 und 15 Millionen Euro) war zum zweiten Mal in Folge ein Rückgang der Spendeneinnahmen festzustellen. Als Gründe hierfür können unter anderem die immer noch andauernden finanziellen Nachwirkungen der Coronapandemie, aber auch die zurzeit hohe Inflation gesehen werden.
Türkische Linksextremisten
Zu den relevantesten in Deutschland aktiven türkischen linksextremistischen Organisationen gehören die „Revolutionäre Volksbefreiungspartei-Front“ (DHKP-C) und die „Marxistische Leninistische Kommunistische Partei“ (MLKP). Von Deutschland aus unterstützen sie ihre jeweilige Mutterorganisation in der Türkei propagandistisch, finanziell und logistisch sowie durch die Anwerbung neuer Mitglieder. Hierzulande agieren sie vor allem unter Tarnbezeichnungen oder mittels Umfeld- und Jugendorganisationen, um ihre Zugehörigkeit zu den in der Türkei auch terroristisch agierenden Mutterorganisationen zu verschleiern.
Bei der Anhängerschaft der marxistisch-leninistischen DHKP-C zeigte sich – aufgrund der Verhaftung von Führungsfunktionären im Jahr 2024 – eine fortgesetzte starke Verunsicherung, wodurch bei den Veranstaltungen der Organisation im Berichtsjahr nur eine schwache Beteiligung feststellbar war. Integraler Bestandteil der Propagandaaktivitäten der Organisation in Deutschland ist die Musikgruppe „Grup Yorum“, deren weit über die eigene Anhängerschaft hinausgehende Reichweite von der DHKP-C auch zur Rekrutierung neuer, vor allem jugendlicher Anhängerinnen und Anhänger genutzt wird.
Einer der aktivsten extremistischen Akteure in Bezug auf Mobilisierung, Organisation und Teilnahme an propalästinensischen Versammlungen und spektrenübergreifenden Vernetzungstreffen war im Jahr 2025 „Young Struggle“ (YS). Die Jugendorganisation der MLKP ist um eine breite Anschlussfähigkeit und Vernetzung bemüht und agiert regelmäßig gemeinsam mit deutschen Linksextremisten. Im Berichtsjahr konnte YS einen deutlichen Mitgliederzuwachs verzeichnen. Zudem zeigte sich eine gesteigerte Gewaltbereitschaft. YS fiel unter anderem mit Blockadeaktionen bei Medienanstalten oder Aktionen gegen Polizisten bei Demonstrationen auf.
Rechtsextremistische „Ülkücü“-Bewegung
Die rechtsextremistische türkische „Ülkücü“-Bewegung („Graue Wölfe“) entstand Mitte des 20. Jahrhunderts. Sie beruft sich auf eine extrem nationalistische bis rechtsextremistische Ideologie, die von Elementen wie Rassismus, Antisemitismus und einer Überhöhung des Türkentums geprägt ist.
Von den rund 13.500 in Deutschland lebenden türkischen Rechtsextremisten sind etwa 10.500 in drei großen Dachverbänden organisiert, die in unterschiedlicher Ausprägung die „Ülkücü“-Ideologie vertreten. Die Verbände sind nach außen um ein gemäßigtes Auftreten bemüht.
Akteure aus der unorganisierten „Ülkücü“-Szene leben ihre rassistischen oder antisemitischen Feindbilder dagegen häufig offen aus, etwa in den sozialen Medien, aber auch beim öffentlichen Aufeinandertreffen mit ihren politischen Gegnern, wo sich das hohe Gewaltpotenzial der Szene zeigt. In der unorganisierten Szene war ein Zuwachs auf circa 3.000 Personen (2024: 2.400) zu verzeichnen.
Säkularer propalästinensischer Extremismus
Der säkulare propalästinensische Extremismus besteht aus verschiedenen Organisationen, Bewegungen, Netzwerken und Einzelpersonen. Was diese Gruppierungen und Personen eint, ist die Feindschaft gegenüber Israel, dessen Existenzrecht sie nicht anerkennen und gegen das sie in völkerverständigungswidriger Weise agitieren.
Zu den wichtigsten Organisationen in diesem Spektrum gehören die „Volksfront für die Befreiung Palästinas“ (PFLP) und das internationale palästinensische Gefangenensolidaritätsnetzwerk „Samidoun“, das von Mitgliedern der PFLP gegründet wurde. Seit November 2023 ist die Vereinigung „Samidoun“ in Deutschland verboten. Ehemalige Akteure waren 2025 weiterhin in der extremistischen propalästinensischen Szene aktiv, allerdings nicht mehr unter dem Label „Samidoun“. Vielfach unterstützen propalästinensische Extremisten den Aufruf der Bewegung „Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen“ (BDS). Die Unterstützung der BDS-Bewegung kann ein Merkmal für eine extremistische Bestrebung sein.
Nahostkonflikt
In Deutschland gab es 2025 im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt wieder zahlreiche propalästinensische Aktionen und Veranstaltungen. Die Zahl der Veranstaltungen nahm allerdings im Vergleich zum Vorjahr ab und die Beteiligung fiel – mit wenigen Ausnahmen – geringer aus. Berlin blieb ein Protestschwerpunkt. Ferner ist festzustellen, dass säkulare propalästinensische Extremisten ihre Zusammenarbeit mit deutschen und türkischen Linksextremisten im Berichtsjahr weiter intensivierten und verfestigten. Die enge Zusammenarbeit hat dazu geführt, dass sich insbesondere in den sozialen Medien ein gemeinsamer Resonanzraum für israelfeindliche Propaganda und Agitation gebildet hat. Säkulare propalästinensische Extremisten nehmen dabei eine Scharnierfunktion zwischen verschiedenen extremistischen Spektren ein. Diese Entwicklung könnte sich zukünftig weiter fortsetzen und noch verstärken.
Antisemitismus im auslandsbezogenen Extremismus
Im auslandsbezogenen Extremismus/Terrorismus sind Organisationen zusammengefasst, die ganz unterschiedliche Ideologien und Bestrebungen aufweisen und ihren Ursprung in verschiedenen Heimat- und Bezugsländern haben. Entsprechend unterschiedlich ist hier der Antisemitismus ausgeprägt. Trotz der Unterschiede konnte nach dem Terrorangriff der HAMAS auf Israel am 7. Oktober 2023 beobachtet werden, wie sich extremistische Bewegungen und Gruppierungen über Strömungen und ideologische Differenzen hinweg miteinander solidarisierten. Dies wirft ein Schlaglicht darauf, dass Israelfeindschaft und Antisemitismus ideologische Schnittmengen zwischen unterschiedlichen extremistischen Einstellungen sind.
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