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Wie wird sich diese Konfrontation auf Russlands Krieg gegen die Ukraine auswirken?

März 7, 2026 | Studien & Berichte | 0 comments

Das Europäische Zentrum für Terrorismusbekämpfung und Nachrichtdienst, Deutschland und Niederlande –ECCI

Welche Folgen hat der Iran-Krieg für die Ukraine?

DW ـ Die Angriffe der USA und Israels auf den Iran sowie die iranischen Gegenschläge erfassen inzwischen nahezu den ganzen Nahen Osten. Wie wird sich diese Konfrontation auf Russlands Krieg gegen die Ukraine auswirken?

Der von den USA und Israel geführte Krieg gegen den Iran beherrscht seit Tagen die politische und mediale Agenda. Und seine Folgen sind weit über die Grenzen der Region hinaus zu spüren – auch in der Ukraine.

Weniger Waffen für die Ukraine?

Der österreichische Militärhistoriker Markus Reisner bezeichnet den Krieg im Nahen Osten als „ein strategisches Geschenk für Russland und China“. Seiner Ansicht nach kann Russland die Tatsache, dass die Aufmerksamkeit des Westens auf den neuen Konflikt gerichtet ist, zu seinem Vorteil nutzen. „Die Ukraine könnte somit zur Nebenfront degradiert werden. Dies bedeutet im schlimmsten Fall noch weniger Ressourcen wie zum Beispiel konkret Patriot-Flugabwehrraketen“, so der Experte von der Militärakademie in Wiener Neustadt im DW-Gespräch. Denn die USA benötigten nun selbst Waffen für einen neuen Krieg.

Die Gefahr, dass militärische Ressourcen ausgehen, die für die Ukraine lebenswichtig sind, sieht auch Ihor Semywolos, Direktor des Kyjiwer Zentrums für Nahost-Studien. Eine Verlängerung des Iran-Krieges würde laut Semywolos den Westen „nachgiebiger in seinen Bemühungen um ein Ende des Krieges in der Ukraine“ machen, was Russlands Position stärken würde.

„Für die Ukraine ist jedes schnelle Ende des Iran-Krieges besser als seine Fortsetzung“, findet auch der ukrainische Publizist Witalij Portnikow. Die ideale Option wäre beiden Experten zufolge ein Erfolg der USA und Israels sowie der Zusammenbruch des heutigen iranischen Regimes. Denn sobald der Iran berechenbarer werde und aufhöre, seine Nachbarn zu bedrohen, bedeute dies „Stabilität im Nahen Osten und eine Schwächung der politischen und wirtschaftlichen Macht Chinas und Russlands in dieser Region“, erläutert Portnikow im DW-Gespräch.

Hohe Öl- und Gaspreise gut für Russland

Eine der gravierendsten globalen Folgen eines langwierigen Krieges im Iran lässt sich bereits absehen: ein langfristiger Anstieg der Öl- und Gaspreise. „Das liegt im Interesse Moskaus“, betont Portnikow. Dadurch erhöhe sich Russlands Fähigkeit, den Krieg in der Ukraine fortzusetzen, erheblich. In diesem Fall werde der Kreml insbesondere versuchen, Europa Energie zu niedrigen Preisen im Austausch für Zugeständnisse anzubieten.

Der neue Krieg im Nahen Osten hat sich bereits erheblich auf die weltweiten Ölpreise ausgewirkt. Der Preis für ein Barrel Brent-Rohöl überschritt am 3. März die Marke von 80 US-Dollar, während er Mitte der Vorwoche noch bei rund 71 US-Dollar lag. Der Grund dafür ist die faktische Blockade der Straße von Hormus durch den Iran. Über diese Route gelangt Öl aus dem Persischen Golf in den Indischen Ozean und von dort in andere Regionen der Welt.

Es ist jedoch noch unklar, wie lange der Anstieg der Ölpreise anhalten und inwieweit Russland davon profitieren wird. Wilfried Jilge, Russland- und Ukraine-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), bezweifelt, dass die langfristigen Auswirkungen der hohen Ölpreise die Verluste ausgleichen können, die Russland durch die umfassenden westlichen Sanktionen im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg erlitten hat. „Russland wird zwar dieses Jahr nicht aufgrund von Sanktionen und Wirtschaftskrise einbrechen, aber wir sehen doch eine schleichende Verengung und Krise der russischen Wirtschaft, die sich nicht mehr leugnen lässt“, sagt er der DW.

Weiterer Prestigeverlust für Russland

Darüber hinaus offenbart der Krieg im Iran trotz aller möglichen Vorteile für Russland auch eine empfindliche Schwäche: Moskau ist derzeit nicht in der Lage, den Iran, einen seiner wichtigsten Verbündeten, zu unterstützen. Dies, so Jilge, komme der Ukraine zugute. „Wir sehen, dass Russland durch den Krieg in der Ukraine seine Dominanz in anderen Regionen nicht mehr aufrechterhalten kann“, so der Experte. Daher hält er es für durchaus möglich, dass man sich in Wladimir Putins Umfeld zunehmend die Frage stellen wird, „welchen Sinn es macht, sich weiter in der Ukraine aufzureiben, wenn man insgesamt eine Verschlechterung seiner Position erleidet“.

In diesem Zusammenhang sind sowohl der Sturz des Regimes von Moskaus Verbündetem Baschar al-Assad in Syrien Ende 2024 als auch die Festnahme des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro durch die USA Anfang Januar zu erwähnen. Beide Ereignisse ließ Moskau unbeantwortet.

Ukrainische Erfahrungen für den Nahen Osten

Die Ukraine könnte ihre Position dank ihrer Erfahrungen beim Abschuss iranischer Drohnen stärken. Russland setzte diese Drohnen insbesondere zu Beginn des Krieges intensiv ein, produziert mittlerweile aber auch eigene. Der Iran wiederum griff in den letzten Tagen mit seinen Drohnen amerikanische Militäreinrichtungen in den Golfstaaten sowie weitere Einrichtungen in der Region an. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, Kyjiw könne Spezialisten in die Golfregion entsenden, um diese Drohnen abzufangen.

„Die Golfstaaten könnten von der Expertise des ukrainischen Militärs profitieren und im Gegenzug würde die Bereitschaft einer Unterstützung der Ukraine aus dieser Region steigen“, glaubt der österreichische Experte Markus Reisner. Seiner Meinung nach könnte eine solche Unterstützung sowohl in Sanktionen gegen Russland als auch in Finanzhilfen für die Ukraine bestehen.

Auch Europa sollte seine Unterstützung für die Ukraine jetzt verstärken, ohne das Ende des Krieges im Iran abzuwarten, rät Wilfried Jilge von der DGAP. Konkret rät er Europa, den Kampf gegen Russlands Schattenflotte zu intensivieren, die sowohl für illegale Ölexporte als auch für militärische Zwecke eingesetzt wird. „Und wir sollten auch in der militärischen Ausrüstung der Ukraine jetzt unbedingt vorangehen und neue Initiativen ergreifen“, so Jilge.

Das Europäische Zentrum für Terrorismusbekämpfung und Nachrichtdienst, Deutschland und Niederlande –ECCI

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